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Pressemitteilung zur aktuellen Corona-Pandmie

Die Frauenberatungsstelle Herford e.V. und Notruf befürchtet eine Zunahme von Häuslicher Gewalt

Die aktuelle Situation und die Sicherheitsvorkehrungen, um die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, erhöhen das Risiko, dass es in Beziehungen und Familien zu häuslicher Gewalt und sexualisierte Gewalt kommt.

Die Menschen verbringen mehr Zeit zu Hause und damit auch mehr Zeit mit dem Partner bzw. der Familie. Es gibt weniger Möglichkeiten sich aus dem Weg zu gehen und sich zurück zu ziehen. Dies gilt insbesondere in engeren Wohnverhältnissen. Der Umgang mit dieser für alle Menschen besonderen Situation ist eine große Herausforderung. Viele Familien organisieren die Betreuung der Kinder neu. Dabei geht es darum die Zeit zu Hause zu gestalten und das Lernen des Schulstoffes zu begleiten. Gleichzeitig sind viele Menschen besorgt. Es bestehen Unsicherheiten z.B. in Bezug auf die Sicherheit des Arbeitsplatzes, auf die finanzielle Situation oder in Bezug auf die eigene Gesundheit oder die von Angehörigen. Diese besondere Situation kann ein deutlich höheres Konfliktpotential mit sich bringen. Für Beziehungen, in denen es ohnehin schon Gewalt gibt, bedeutet die aktuelle Situation, dass die Betroffenen der Gewalt und dem Täter länger und/oder häufiger ausgesetzt sind. Auch in diesen Beziehungen steigt das Konfliktpotential und damit die Gefahr, dass es zu häuslicher Gewaltund/oder sexualisierter Gewalt kommt. Gleichzeitig fällt der Großteil der Kontakte zu anderen Personen, zum Beispiel im Sportverein, im Chor oder zu Familienangehörigen, weg. Das kann dazu führen, dass körperliche Verletzungen und ein verändertes Verhalten nicht auffallen. Für Betroffene von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt kann es nochschwerer sein, sich jemandem anzuvertrauen.

In dieser besonderen Situation ist es umso wichtiger, dass sich Nachbarn und Vertrauenspersonen solidarisch zeigen. Nachbarn können aufmerksam sein und, sollte es zu Gewalt kommen, die Polizei anrufen. Häusliche Gewalt ist niemals Privatsache! Es ist wichtig zu wissen, dass die Polizei weiterhin die Möglichkeit hat, den Täter für 10 Tage der Wohnung zu verweisen. Auch wenn die aktuelle Situation eine besondere Herausforderung darstellt, ist dies keine Rechtfertigung für Gewalt. Die Zeit der Wegweisung kann genutzt werden, um erste Überlegungen zu tätigen wie es in Zukunft weiter gehen soll und Informationen einzuholen.

Um einen telefonischen Kontakt zur Frauenberatungsstelle zu erleichtern, haben wir unsere telefonische Sprechzeit stark ausgeweitet. Frauen können hier telefonisch vertrauliche Gespräche führen und Informationen bekommen. Im Gespräch kann die Situation geklärt und individuelle Handlungsmöglichkeiten besprochen werden. Zudem entlasten vertrauliche Gespräche und können Betroffene stärken. Auch Unterstützer*innen können sich an die Frauenberatungsstelle wenden, um ihre Beobachtungen zu schildern und evtl. weitere Vorgehensweisen zu besprechen.

Hier können Sie die Pressemitteilung als PDF ansehen.